Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Pressebericht über das 1. Bläserfestival 27.-30.6.2008 zum 55-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle:

Altstadt «endloser Konzertsaal»

Zum Bläserfestival der Stadtkapelle kamen die Partnervereine Wasserburg am Bodensee und Wasserburg an der Günz in die Innstadt. Als Großorchester spielten 150 Musiker zusammen vor dem Rathaus.

 «Ein optimales Wetter, um a Hoibe oder a Maß zu genießen», befand Bürgermeister Michael Kölbl am vergangenen Freitag Abend. Kurz zuvor war mit einem Festzug das Bläserfestival der Stadtkapelle Wasserburg am Inn zu deren 55-jährigen Bestehen eröffnet worden.

Die marschierenden Musiker waren, gefolgt von einem historischen Pferde-Viererzug des Hofbräuhauses Traunstein, über die Innbrücke und vorbei am Marienplatz zu dem Festzelt am Gries gezogen. Dort machte sich der Bürgermeister an den Bieranstich: «Ozapft is!» Kölbl füllte fachmännisch die ersten Maßkrüge, wünschte den Gästen «an guadn Durst» und dirigierte zum Auftakt den Bayerischen Defiliermarsch.

Unter der Leitung von Roland Merk spielte anschließend die «Dreder Musi» im blauweißen Festzelt. Während sie den Marsch «Jubelklänge» zum Besten gab, kam draußen am Gries ein blauer Bus an. Lauter Leute in blauen Polohemden stiegen aus und wurden von der Stadtkapelle musikalisch begrüßt: Die Musiker des Partnervereines aus Wasserburg am Bodensee waren angekommen.

«Fünfeinhalb Stunden Fahrt und zwei Mal Stau» hatten die «Bodenseeler» hinter sich, so Dirigent Elmar Vögel. Jetzt freuten sich alle auf einen Abend im Bierzelt. Am Samstag Morgen erreichte dann auch der zweite befreundete Musikverein die Altstadt, die schwäbische Kapelle aus Wasserburg an der Günz. Seit über 50 Jahren stehen die drei Kapellen aus den Wasserburgs in engem Kontakt.

«Man lädt sich gegenseitig zu Musikfesten ein», erzählt Michael Kummer, Dirigent der «Innler». «Das Interesse bleibt trotz Generationswechsel bestehen, und die Freundschaft verbindet die Musiker untereinander.» Letztes Jahr beispielsweise hätten acht Damen vom Inn den Bekannten am Bodensee einen rein privaten Besuch abgestattet.

Auch die Dirigenten sind in regelmäßigem Austausch, und nur so konnten sie trotz der Distanz das dritte „Classic OpenAir“ planen. Jede Gruppe hatte für sich geübt, und als die drei Besetzungen am Samstag aufeinandertrafen, gab es eine erste und einzige gemeinsame Probe für das Großorchester.

Nachdem die Bläserjugend, das Anfängerorchester der Stadtkapelle, unter der Leitung von Magdalena Grill ein Standkonzert vor dem Rathaus gegeben hatte, luden die drei Vereine zum Konzert. Die rund 150 Musiker spielten zusammen auf dem Marienplatz, und jeder Dirigent schwang einmal den Taktstock.

So auch Walter Weihermüller, der seit vier Jahren die Kapelle aus Wasserburg an der Günz dirigiert. Für ihn war es der erste Besuch am Inn, und er nutzte die Gelegenheit zu einem Kurzurlaub. Gut 30 Fans aus dem Raum Günzburg hatten es ihm gleich getan, waren mit einem Bus hierher gekommen und schafften neben dem Festivalprogramm sogar eine Innschifffahrt.

Im Anschluss an das samstägige Freiluftkonzert ging es für viele wieder an den Gries, wo die Band «Ali and the Brand New Cadillacs» die Stimmung im Festzelt anheizte.

Der gestrige Sonntag dann begann mit einem Weißwurstfrühstück, das eine Kleinbesetzung der Stadtkapelle unter der Leitung von Martin Zwiefelhofer musikalisch umrahmte. Danach ging es in einem Kirchenzug samt Fahnenabordnungen verschiedener Vereine vor das Rathaus. Pfarrer Dr. Paul Schinagl hielt dort einen Festgottesdienst, laut Michael Kummer «nicht nur ein alter Brauch, sondern ein schönes Gemeinschaftserlebnis.» Die drei Kapellen spielten reihum, und Ehrenbürger und Musikfan Toni Meggle dirigierte die Bayern-Hymne.

Anschließend pilgerte der prunkvolle Zug wieder zurück zum Zelt, Toni Meggle und Michael Kölbl fuhren zusammen mit ihren Frauen mit der Ehrenkutsche und die Musikanten spielten. «Unser Wasserburg hat einen akustischen Vorteil», meinte Dirigent Kummer, «die engen Gassen sind wie ein endloser Konzertsaal.»

Am Sonntagnachmittag waren schließlich die drei Wasserburger Formationen nacheinander auf der Bühne. Abends wich die Tracht dann den Trikots, denn im Zelt wurde das EM-Finale übertragen.

Heute gibt es noch einmal Gelegenheit, bei einem kühlen Bier und halben Hendl die Stadtkapelle zu hören. Von 18.30 bis 20 Uhr steht sie ein letztes Mal auf der Zeltbühne, bevor dort «Da Huawa, da Meier und I» bayerische Comedy zeigen. Die Veranstaltung ist leider ausverkauft.

 

von Susa Berninger, veröffentlicht am 30.06.2008 im "Wasserburger Teil" des OVB Rosenheim