Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Die vereinseigene Bläserschule

Kurzinfos (auch zum ausdrucken) im Faltblatt "Bläserschule" (PDF-Datei)
 

Die Stichpunkte des Ausbildungsprogrammes:

- das Eintrittsalter
- kostenlose Information
- es beginnt mit einem Anfängerkurs

- Instrumentenwahl

- Instrumentenbeschaffung

- der erste Unterricht
- die Unterrichtskosten
- die Musiklehrer und das Instrumentenangebot
- erstes Zusammenspiel im Anfängerorchester
- das erste Musikerleistungsabzeichen
- Aufnahme ins Jugendblasorchester
- das Musikerleistungsabzeichen in Silber
- dann ins große Erwachsenen-Blasorchester
- das Musikerleistungsabzeichen in Gold
- die weiteren Möglichkeiten
- Nachwuchssicherung für den "Fortbestand"

 

Seit über 55 Jahren bildet die Stadtkapelle ihren Nachwuchs selbst aus und investiert viel Energie und Geld in die vereinseigene Musikschule. Während früher die Dirigenten der Stadtkapelle für die Jugendausbildung noch allein verantwortlich waren, steht die Jugendausbildung heute auf breiterem Sockel. Die Stadtkapelle betreibt heute eine eigene Bläserschule mit 190 Schülern und ca. 16 Lehrern.  

Eine freundschaftliche Absprache mit der Stadt Wasserburg und deren Städtische Musikschule lässt kein Konkurrenzdenken aufkommen. Während die Stadtkapelle Unterricht für alle Blasinstrumente und das Schlagzeug erteilt, deckt die Städtische Musikschule (Neu: Musikpädagogisches Institut) alle anderen Instrumente ab.

 

Das Eintrittsalter

9 bis 12 Jahre wäre das ideale Alter für ein Kind, das ein Blasinstrument erlernen will. Instrumente wie Flöte, Klarinette oder Trompete können auch schon Achtjährige in Angriff nehmen. Posaune, Tuba, Oboe oder Fagott sollte ein Kind erst mit 12 oder 13 Jahren erlernen. Entscheidend dabei ist, wie das Kind physisch entwickelt ist.

 

Kostenlose Information für die Eltern 

Für die Eltern musikinteressierter Kinder hält die Stadtkapelle jeweils im Oktober/November eines jeden Jahres eine lnformationsveranstaltung ab. Die Eltern können sich dabei kostenlos und unverbindlich über das gesamte Ausbildungsprogramm der Stadtkapelle informieren. Sie erhalten Ratschläge über die Instrumentenwahl und den Instrumentenkauf und bekommen Auskunft über die Ausbildung und den musikalischen Werdegang der Schüler sowie über die Ausbildungs- und lnstrumentenkosten.

 

Es beginnt mit einem "Anfängerkurs"

Beim Erlernen eines Musikinstrumentes häufen sich gleich am Anfang die Aufgaben. Das Kind muß die Ansatz- und Blastechnik, die Atemtechnik und die Grifftechnik erlernen und sollte auch noch die Notenschrift begreifen. Deshalb schaltet die Stadtkapelle einen 8-wöchigen Theorie-Grundkurs vor, in dem in ca. 21 Stunden (jeweils im Oktober/November eines jeden Jahres) die Anfänger einen Überblick über musikalische Begriffe erhalten und das Notenlesen lernen. Dieser Kurs wird bei der Stadtkapelle seit vielen Jahren mit großem Erfolg abgehalten. Er erleichtert den Start mit dem Musikinstrument.

Wer bereits vorher ein anderes Instrument fortgeschritten erlernt hat und die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt, kann sich diesen Kurs natürlich ersparen. Sollte bereits nach diesem Theorie-Grundkurs das musikalische Interesse des Kindes gestillt sein, kann es jederzeit abspringen. Die Eltern sind bis dahin, außer der Kursgebühr, noch kein allzu großes finanzielles Risiko eingegangen.

 

lnstrumentenwahl

Bei der Instrumentenwahl sollten sich die Eltern auf den Rat der Fachleute bei der Stadtkapelle verlassen. Nicht jedes Kind kann das von ihm gewünschte Instrument erlernen. Das Alter des Kindes und physische Hindernisse setzen dabei oft Grenzen.

 Meist fixieren sich die Kinder auf wenige, ihnen bekannte Instrumente, wie Flöte, Saxophon oder Schlagzeug. Dass es daneben viele andere, genauso interessante Instrumente gibt, die ebenso notwendig in einem Blasorchester gebraucht werden, wird oft übersehen.

 Manchmal sind auch der Stadtkapelle Grenzen in der freien Instrumentenwahl gesetzt. Sie muss darauf achten, dass in den Blasorchestern der Stadtkapelle später alle Instrumentengruppen einigermaßen ausgewogen vertreten und besetzt sind.

 

Instrumentenbeschaffung

Grundsätzlich müssen die Schüler bzw. die Eltern die Musikinstrumente selbst beschaffen. Die Stadtkapelle bzw. die Lehrer vermittelt dabei aber günstige Lieferanten, die ihrerseits interessante Leasing- oder Ratenkäufe anbieten. Seltene oder besonders teuere Instrumente verleiht dagegen die Stadtkapelle gegen Gebühr oder bietet Finanzierungshilfen.

 

Der erste Unterricht mit dem Musikinstrument

Nach erfolgreichem Absolvieren des Theorie-Grundkurses berät die Stadtkapelle die Eltern beim Instrumentenkauf und schafft die Verbindung zum Musiklehrer. Das neue Instrument könnte dem Kind z.B. als Weihnachtsgeschenk gekauft werden.

Nach den Weihnachtsferien, also im Januar, können dann endgültig die ersten Versuche mit dem Musikinstrument gemacht werden. Von da an erhält der Schüler pro Woche 30 oder 45 Minuten Einzelunterricht im Badria-Vereinsheim. Das Kind sollte täglich mit dem Instrument üben, anfangs mehrmals täglich wenige Minuten, später zusammenhängend etwa eine Stunde pro Tag.

  

Die Unterrichtskosten

Der Unterricht kostet ab 1.1.2017 im Halbjahr 360,- € (bei wöchentlich 30 Minuten Einzelunterricht) und 520,- € (bei wöchentlich 45 Minuten Einzelunterricht). 45 Min. Unterricht wird eher bei älteren und fortgeschrittneren Schülern empfohlen.

Am Anfang benötigt das Kind noch eine "Schule" - ein Übungsbuch für das jeweilige Instrument -, das ca. 20,- € kostet.

  

Die Musiklehrer und das Instrumentenangebot

Die Stadtkapelle ist bemüht, durchwegs Musiker mit Hochschulstudium oder besonderer Erfahrung als Unterrichtende zu verpflichten. Es wird Unterricht für alle Blasinstrumente und Schlagzeug des Blasorchesters angeboten.


Erstes Zusammenspiel in der "Bläserjugend" (Anfängerorchester)

Nach relativ kurzer Ausbildung - je nach Können und Fleiß nach etwa 1 bis 1 1/2 Jahren - können die Schüler in die "Bläserjugend" aufgenommen werden. Dieses Orchester, das unter der Leitung von Madalena Grill, einer ausgebildeten Dirigentin und Musikpädagogin steht, wurde von der Stadtkapelle als Orchestervorstufe zur Jugendkapelle 1996 neu gegründet. Das Orchester probt einmal pro Woche (Donnerstag, 18.30 bis 19.30 Uhr) und tritt jeweils im Februar eines jeden Jahres beim Jugend-Konzert der Stadtkapelle im Wasserburger Rathaussaal öffentlich auf.

Mit der Aufnahme in dieses Orchester tritt der Jugendliche erstmals aus seinem „alleinigen häuslichen Musikerdasein“ heraus in eine Gemeinschaft, mit der er gemeinsam musiziert und öffentliche Auftritte bestreitet. Dies bedeutet für die Jungmusiker einen großen Anreiz. In dem Orchester spielen zur Zeit ca. 30 Jugendliche.

Die Teilnahme in diesem Orchester ist kostenlos. Die Stadtkapelle stellt das gesamte Notenmaterial. Die Musiklehrer sind angehalten, ihren Unterricht darauf abzustellen.

 

 

Das erste Musiker-Leistungsabzeichen (Juniorabzeichen)

Das Juniorabzeichen wurde im Jahr 2006 zum ersten Mal durchgeführt, und stellt eine Weiterführung des Anfängerkurses dar.

Es besteht aus einem theoretischen Teil und einem praktischen Teil mit dem Instrument. Besonderes Augenmerk liegt auf der Vorbereitung der Schüler auf das Orchesterspiel und Spiel in Gruppen. So stehen im Theoretischen Teil neben einer Wiederholung des Stoffes aus dem Anfängerkurs die Tonleitern, Rhythmuslehre und Gehörbildung auf dem Programm.

Im praktischen Teil muss der Schüler sein Können vor einer Jury unter Beweis stelle. Geprüft werden Tonleitern und 2 mit dem Instrumentallehrer einstudierte Etüden oder Übungsstücke.

 

Das Musiker-Leistungsabzeichen in Bronze

Nach etwa 2 bis 3 Jahren kann sich der Jugendliche auf das erste Musiker-Leistungsabzeichen (Leistungsabzeichen in Bronze D1) vorbereiten. Dies wird von neutralen Fachleuten des Musikbundes von Ober- und Niederbayern abgenommen.

Die Prüfung besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Auf das im praktischen Teil verlangte musikalische Können müssen sich die Schüler mindestens 6 Monate intensiv vorbereiten. Die Musiklehrer stellen den Instrumentalunterricht darauf ab.

5 Wochen vor der Prüfung müssen die Jugendlichen in einem Eignungstest ihr Können unter Beweis stellen. Unter Prüfungsbedingungen müssen sie die geforderten Stücke vorspielen.

In den verbleibenden Wochen wird den Jugendlichen in einem kostenlosen 4-wöchigen Lehrgang das nötige theoretische Wissen vermittelt.

Bei der Stadtkapelle legen jährlich zwischen 10 und 15 Schüler dieses Leistungsabzeichen ab.

 

Aufnahme in das Jugendblasorchester

Nach erfolgreichem Ablegen des Musiker-Leistungsabzeichens in Bronze steht einer Aufnahme in das ca. 70 Mitglieder zählende Jugendblasorchester nichts mehr im Wege. Von nun an wird einmal pro Woche in der zweistündigen Gesamtprobe der Jugendkapelle das Zusammenspiel geprobt. Die musikalische Leitung untersteht Michael Kummer. Im instrumentalen Einzelunterricht, der unabhängig von der Jugendkapelle weiter laufen muss, wird der Musiklehrer künftig auch die Stücke, die in diesem Orchester geprobt werden, einstudieren.

Die Jugendkapelle tritt jährlich in den beiden Konzerten der Stadtkapelle in der Badria-Halle und im Jugend-Konzert im Rathaussaal auf. Es nimmt an Musikfesten teil, bestreitet zahlreiche öffentliche Auftritte und unternimmt auch Konzertreisen ins Ausland. Unvergesslich wird den Jugendlichen die 14-tägige Flugreise nach Israel bleiben.

Auch die Teilnahme im Jugendblasorchester ist kostenlos. Das Notenmaterial stellt die Stadtkapelle. Auf die Eltern kommt jedoch die Anschaffung einer Musikertracht für die öffentlichen Auftritte zu. Die Stadtkapelle stellt aber den Trachtenstoff zur Verfügung. Oft hält der Verein auch Trachten von früheren Mitgliedern kostengünstig bereit.

 

Das Musiker-Leistungsabzeichen in Silber

Nach 5- bis 6-jährigem Unterricht und entsprechender Zugehörigkeit im Jugendblasorchester kann der Schüler das Leistungsabzeichen in Silber (D2) angehen. Diese Leistungsprüfung erfordert erheblich mehr Können als die des Bronzeabzeichens. Die Vorbereitung muss daher entsprechend umfangreicher sein. Die Prüfung besteht ebenfalls aus einem praktischen und einem theoretischen Teil.
Bei der Einstudierung der erforderlichen Musikstücke hilft wieder der Musiklehrer. Das theoretische Wissen kann sich der Jugendliche in einem kostenlosen 4-wöchigen Theorielehrgang bei der Stadtkapelle aneignen.
Bei der Stadtkapelle treten jährlich etwa 5 Schüler zur Prüfung für dieses Leistungsabzeichen an.

 

Dann ins große Erwachsenen-Blasorchester

Wer das Musiker-Leistungsabzeichen in Silber mit Erfolg abgelegt hat, gilt als guter Durchschnittsmusiker, der befähigt ist, in jedem Blasorchester mitzuwirken. Deshalb steht nach erfolgter Prüfung die Tür zum ca. 60 Mann starken Erwachsenen-Blasorchester dann offen. Der Jugendliche muss daher die wöchentlichen Proben dieses Orchesters besuchen, kann aber gleichzeitig auch noch dem Jugendblasorchester die Treue halten.

 Der Jugendliche hat dann meist schon ein Alter erreicht, in dem Berufswahl, Studium, Bundeswehr oder Heirat und Familiengründung zum Thema werden. Deshalb muss dann meist schon aus diesen Gründen der lnstrumentalunterricht beendet werden. Bis dahin hat er ja auch ein erhebliches Können auf seinem Instrument erreicht und etwa 6 bis 10 Jahre Unterricht hinter sich.

 

Das Musiker-Leistungsabzeichen in Gold

Nur wenige Jugendliche wagen sich an das Musiker-Leistungsabzeichen in Gold (D3). Hier werden höchstes musikalisches Können, solistische Fähigkeiten sowie ein umfangreiches theoretisches Fachwissen verlangt. Deshalb behält sich der Musikbund entsprechende theoretische Vorbereitungskurse vor. Das praktische Können muss er sich jedoch selbst aneignen, wobei ihn sein Musiklehrer unterstützt.

 

Die weiteren Möglichkeiten

Wer das Leistungsabzeichen in Gold mit Erfolg ablegt, hat viele Möglichkeiten, die Musik zum Beruf zu machen. Er hat das Rüstzeug für ein Musikstudium. Männliche Jugendliche können ihren Wehrdienst bei einem Bundeswehr-Musikkorps ableisten. Die Musik kann ein Jugendlicher auch als Nebenberuf wählen. Sein Wissen kann er z.B. als Musiklehrer weitergeben. Viele Sonderkurse, die der Musikbund anbietet und die von der Stadtkapelle bezuschusst werden, ermöglichen den Werdegang als Musiklehrer oder Dirigent. Für gute Musiker gibt es zahlreiche berufliche Möglichkeiten und Chancen zum Nebenerwerb. Auf diese Weise können die Investitionen der Eltern für Musikinstrumente und Jugendunterricht wieder amortisiert werden.

 

Nachwuchssicherung für den "Fortbestand"

In der geschilderten Weise bildet also die Stadtkapelle ihren Nachwuchs aus. Sie ist interessiert daran, dass die Jugendlichen diesen Ausbildungsweg durchlaufen und letztendlich möglichst viele neue Mitglieder für das große Erwachsenorchester hervorgehen. Auf diese Weise wäre der Bestand des Musikvereins garantiert. In den vergangenen 60 Jahren ist dies der Stadtkapelle gelungen, wenn auch die Ausfälle sehr hoch sind. Finanzielle Grenzen der Eltern, Unlust der Jugendlichen, andere Hobbys oder Freizeitstress, der Vorrang der Schule, die Berufswahl, ein Studium oder die Bundeswehr können ebenso wie das Kennenlernen eines anderen Partners die Jugendlichen dazu verleiten, ihr Musikinstrument einfach "an den Nagel zu hängen". Deshalb sollte sich jeder musikinteressierte Jugendliche, der ein Musikinstrument erlernen möchte, schon vorher darüber im klaren sein, auf was er sich einlässt.

Ein Musikverein kann sich erfahrungsgemäß glücklich schätzen, wenn von 10 Anfängern Einer als späteres Orchestermitglied übrig bleibt. Bei diesem vermeintlich geringem Erfolg einer Musikschule sollte die an der Jugend geleistete Arbeit nicht übersehen werden: Die sinnvolle Heranführung an die Musik im allgemeinen und die Beschäftigung mit einem Musikinstrument im besonderen.